Alle Jahre wieder
Alle Jahre wieder, aber ganz besonders gerne im traditionell Themenarmen Sommerloch (sofern es das überhaupt gibt), schreiben Blogger über das Blogen an sich. Bei solchen Artikeln kann schon im Vorfeld davon ausgegangen werden, dass sie viel gelesen, viel verlinkt und viel kommentiert werden. Artikel über das Bloggen sind das ideale Mittel, das eigenen Blog mal wieder so richtig in den Mittelpunkt der im Urlaub weilenden deutschen Blogosphäre zu rücken. Das findet übrigens auch der Spiegel Verlag mit seinem gedruckten Blog „Der Spiegel“.
Ausgangspunkt der x-ten Runde von Artikeln über das Bloggen war diesmal dieser Artikel von Don Dahlmann, in dem er beschreibt, warum Blogs in Deutschland aus seiner Sicht (noch) nicht funktionieren.
Von diesem Artikel motiviert, teilte Chris von F!XMBR seiner Leserschaft mit, warum aus seiner Sicht Blogs in Deutschland nicht funktionieren. Und weil das alles noch nicht genug diskutiert und beschrieben wurde, und offensichtlich die Kommentarfunktion von Blogartikeln für dieses „wichtige“ Thema nicht ausreichend ist, und darüber hinaus auch mal eine andere Meinung vertreten werden wollte, stimmte dann auch noch René von Nerdcore in das Konzert der Blogversteher ein und beschrieb auf ziemlich arrogante und selbstgefällige Art, warum Blogs in Deutschland eben doch funktionieren würden und meint damit in erster Linie sein eigenes Blog, welches er darauf hin einer ziemlich peinlichen Selbstbeweihräucherung unterzieht. Sich selbst vergisst er dabei natürlich nicht.
Das ist für jemanden, der im Vergleich zu anderen Blogs fast keine eigenen Inhalte produziert, sondern sich kreuz und quer im Internet an anderen Inhalten bedient, eine fast schon unverschämte Art und Weise, besonders wenn man, so wie es bei Nerdcore der Fall ist, das eigene Blog großflächig vermarktet.
Wie auch immer, ich kreide niemandem an, auf welche Art er seine eigene Webseite führt und mit Inhalten füllt (so lange sie nicht geklaut sind), aber diese völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten berührt mich als Leser schon mehr als peinlich. Ich schäme mich sogar fast fremd. Schuld an dieser maßlosen Selbstüberschätzung könnten unter anderem die für mich dümmlichen Charts der Linksammler sein, aber das weiß man nicht so genau. Ist auch erstmal egal, hier zählt nicht die Ursache, sondern die Tatsache.
Bei meinem Verständnis von Publikationen im Internet geht es ohnehin schon lange nicht mehr um Blogs. Denn mir persönlich ist es vollständig egal welche Software zum Veröffentlichen von Texten genutzt wird. Es geht nicht mehr um Blogs, sondern es geht um Inhalte. Es geht nicht um das Gesamtkonstrukt, sondern nur noch um einzelne Artikel.
Es kann also durchaus sein, dass ein einzelner veröffentlichter Artikel einigen Lesern enorm weiter hilft, meinetwegen deswegen, weil darin beschrieben wird, wie man aus seinem Penis eine Hammerhai formt, der Rest der Webseite für den Leser aber nicht von Interesse ist (wobei die olympische Fackel …).
Ob dieser Artikel nun auf einer Plattform die sich „Blog“ nennt veröffentlicht wurde, oder auf einer anderen Plattform, das ist dem jeweiligen Leser zunächst völlig egal. Aber auf Blogs gibt es doch eine Kommentarfunktion! Ja, mein Junge, und jetzt geh brav ins Bett.
Aus diesen Gründen finde ich solche Diskussionen á la „Warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren“ eher uninteressant, da sie aufgrund einer falschen Ausgangslage zu keinem Ergebnis kommen können. Menschen nutzen Blogsoftware zu völlig verschiedenen Zwecken, manche verzichten sogar gänzlich auf die klassische Artikelform, warum sollte man sie also pauschal über einen Kamm scheren?
Die nächste, und in dieser Diskussion vielleicht wichtigste Frage lautet aber: Was bedeutet für die blogverstehenden Autoren in Zusammenhang mit Blogs denn überhaupt das Wort „funktionieren“?
Das Funktionieren eines Projektes oder Hobbies, wird von jedem Ausübenden selber definiert. Für den einen funktioniert sein Blog dann schon, wenn er sich darin ausschließlich für den Eigenbedarf Notizen zu bestimmten Themen machen kann, während für einen anderen Blogbetreiber ein Blog erst dann funktioniert, wenn sich daraus Einnahmen in Höhe von mehreren Tausend Euro generiert lassen.
Ob hier also etwas funktioniert oder nicht, kann immer nur der jeweilige Betreiber beurteilen. Und geht darüber hinaus niemand anderen etwas an.
meint am 23. Juli 2008 um 00:14 Uhr | Auf diesen Kommentar antworten
Du hast ja Recht, das liest sich echt streckenweise so, war aber wirklich nicht so großkotzig gemeint, wie es bei Dir rüberkam. Sorry. Mir ging es lediglich darum, dass da behauptet wurde, dass Blogs nicht funktionieren, dies aber auf meinen Mikrokosmos eben überhaupt nicht zutrifft, that’s it. Tschuldige, wenn das arrogant rüberkam, aber ein paar der konstatierten Dinge entsprechen einfach nicht der Realität der Blogs.
meint am 23. Juli 2008 um 05:26 Uhr | Auf diesen Kommentar antworten
Genau das stört mich an der ganzen ‘Diskussion’ auch. *Für mich* funktioniert das mit dem ‘Texte ins Netz stellen’ schon seit dem letzten Jahrhundert unabhängig davon, wie man das nun nennt. Danke für den Text, jetzt muß ich den nicht mehr schreiben.
meint am 24. Juli 2008 um 00:32 Uhr | Auf diesen Kommentar antworten
@René: Ja, das kam wirklich ziemlich großkotzig rüber und entsprach eigentlich so überhaupt nicht meiner Einschätzung. Besonders im Bereich derjenigen, die Blogsoftware benutzen, scheint sich ja in den letzen 1-2 Jahren so eine Art “Superstarmentalität” entwickelt zu haben, sobald die Linkzählseiten einen als Einäugigen unter den Blinden listen. Und zwar völlig unabhängig davon, wie man nun zu den vielen Links und meinetwegen Klicks gekommen ist. Einige scheinen das nicht ganz zu verkraften.