Apple iPhone 3G im Test
Seit dem offiziellen Start am 11.07.2008 bin ich Besitzer des neuen Apple iPhone 3G 16 GB und kann nun also das erste Mal in meinem Leben eine Hardware der Firma Apple mein eigen nennen.
Ich habe mir dieses Gerät gekauft, da mein Vodafone Vertrag kürzlich ausgelaufen ist und ich darüber hinaus einen neuen MP3 Player mit größerem Speicher haben wollte.
Mit dem Apple iPhone 3G wollte ich also meine beiden Altgeräte Handy (Motorola Razr) und MP3 Player (RIO Carbon) ablösen und zudem ein mobiles Device haben, mit dem ich meine Mails (Google Mail) lesen und bearbeiten, meinen Kalender (Google Kalender) verwalten, und bei Bedarf auch diverse andere Internetdienste wie Newsfeeds oder auch www nutzen kann. Ich finde das sind ganz schön viele Dinge die dieses iPhone 3G da können muss, wie sich herausstellt sogar zu viele.
Optik und Haptik
Das Apple iPhone 3G sieht gut aus, keine Frage. Alleine dieses helle und brillante Display mit dem gut durchdachten Bedienkonzept ist fast das Geld des Handys wert. Das Gerät wirkt auf den ersten Blick sehr hochwertig und edel, doch leider trügt hier der Schein.
Wenn man sich nämlich die Verarbeitung des Gerätes etwas genauer anschaut, dann muss man feststellen, dass alle Schalter des Gerätes ziemlich scharfkantig und rau sind. Dies ist aus meiner Sicht ein ärgerlicher Minuspunkt und hätte wirklich nicht sein müssen. Ähnlich wirkt der silberfarbene Rand um das Gerät, der Das Display einfasst. Dieser Rand schließt nicht vollständig mit dem Display ab, so dass hier zwischen Umrandung und Display eine schmale Ritze ist, die sich nicht schön anfühlt. Außerdem steht dieser Rand zusätzlich etwas über. Aus diesen Gründen zählt das Apple iPhone 3G nicht zu der Kategorie der so genannten Handschmeichlern. Hier bieten andere Geräte eine deutlich bessere haptische Wahrnehmung. Schade Apple, das hätte man besser machen können müssen.
Das Innere
Fast sämtliche Menüs sind gut erreichbar und logisch angeordnet, so dass man sich relativ schnell mit dem Gerät zu Recht findet. Das Navigieren per Fingertip ist zwar an manchen Stellen etwas zu filigran, macht aber definitiv einen Riesenspaß. SMS Profis, die ihr Tip-Handwerk auf den klassischen Handytastaturen gelernt haben, werden allerdings mit dem iPhone Bedienkonzept voraussichtlich etwas an Arbeitsgeschwindigkeit einbüßen. Durch die glatte Oberfläche des Touchscreens kann man keine Tasten mehr erfühlen, also nicht mehr Blind tippen, und man tippt das ein oder andere Mal auch neben das gewünschte Zeichen. Besonders bei Wurstfingern.
Mehr hinderlich als nützlich ist die Apple iPhone 3G Wörterbuchfunktion beim schreiben einer SMS. Bisher habe ich leider noch keine Stelle gefunden, an der man diese Funktion ausschalten könnte. Entweder ist das also ärgerlich oder ich bin blind.
Es gibt noch eine weitere Stelle an der ich persönlich das Touchscreen Konzept eher hinderlich finde, und das ist die iPod Funktion. Da ich jemand bin, der unterwegs kein ganzes Album durchhört, sondern mir eher einzelne Songs herauspicke und viel in der Musikbibliothek browse, ist das Bedienkonzept für mich eher unpraktisch. Zum einen verbraucht das ständige browsen über das Display zuviel Strom und zum anderen wechseln durch versehentliches leichtes Berühren des Touchscreens ständig die Songs. Das ist schon ziemlich nervig und an dieser Stelle für meine Begriffe wenig durchdacht. Macht zwar Spaß und sieht gut aus, ist aber sehr unpraktisch. Zumindest für mich. Aber eventuell gewöhne ich mich noch daran.
Akustik
Beim Thema iTunes geht es mit der Kritik auch gleich weiter. Zum einen ist der Klang beim Musikhören nicht mit meinem alten MP3 Player vergleichbar und zum anderen ist das Gerät beim Hören von Musik selbst bei maximaler Lautstärke für meinen Geschmack viel zu leise. Gegenüber meinem alten MP3 Player (RIO Carbon) mache ich in beiden Punkten einen großen Rückschritt. Ich hätte gerne auf die ganzen optischen Spielereien wie Coverflow und die unterschiedlichsten Listendarstellungen verzichtet, wenn die Soundqualität und die Lautstärke dafür besser wären. Sind sie aber nicht, deshalb gibt es dafür dicke Minuspunkte von mir.
Einen weiteren Rückschritt, der mir schon vorher bekannt war, ist natürlich, dass man die eigene Musik nur über das unschöne, träge und zu stark aufgeblähte iTunes Programm verwalten kann. Ein direkter USB Zugriff auf das Dateisystem ist für mich definitiv sehr viel praktischer und schneller.
Ein vollwertiger Ersatz zu meinem alten MP3 Player ist das iPhone für mich unter diesen Umständen also leider nicht.
Stabilität
Da man mit diesem Handy die Möglichkeit hat, reichlich Zusatzsoftware (Apple Apps Store) zu installieren, steigt hier die Gefahr für OS Abstürzen. Und genau das passiert auch. Sowohl mir als auch Bekannten ist das Apple iPhone 3 G schon mehrfach abgestürzt, bisher immer in Verbindung mit zusätzlich installierten Programmen (Apps). Ich weiß nicht, ob dieses Problem am Betriebssystem des Apple iPhone 3G liegt, oder ob der Fehler in den Anwendungen zu suchen ist. Aber solange Apple mir diese Anwendungen über den eigenen iTunes Store anbietet, mache ich Apple auch für diese Software verantwortlich. Entweder muss hier am Betriebssystem nachgebessert werden, oder die Apps müssen besser geprüft und zertifiziert werden.
Laufzeit
Der Akku des Apple iPhone 3G ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Ich habe gelesen, dass in das neue 3G Model ein schwächerer Akku eingebaut wurde, als in das Vorgängermodell. Sollte dies wirklich der Fall sein, dann ist das schon mehr als paradox, denn dass Modell 3G verbraucht durch UMTS deutlich mehr Strom als der Vorgänger. Wenn Apple wirklich an einer solch wichtigen Komponente gespart haben sollte, dann wäre das eine bodenlose Frechheit. Fakt ist, dass ich das Apple iPhone 3G bisher jeden Abend aufladen musste. Ohne ein Ladekabel in der Tasche sollte man mit diesem Gerät das Haus besser nicht verlassen.
Netze
Mit der Netzanbindung bin ich in Frankfurt am Main sehr zufrieden. Ich habe sehr häufig eine 3G Verbindung und wenn diese mal nicht vorhanden ist, wie zum Beispiel im S-Bahn Tunnel, dann habe ich immer noch eine Edge Verbindung. Das Apple iPhone 3 G schaltet sehr schnell und zuverlässig durch alle verschiedenen Netzverbindungen. Zuerst sucht es nach einer WLAN Verbindung, findet es keine (mehr), schaltet es übergangslos auf 3G um, und ist eine solche Verbindung auch nicht (mehr) vorhanden, nutzt es Edge.
Kamera
Über die eingebaute Kamera muss man nicht viele Worte verlieren, diese ist definitiv eine der schlechtesten Komponenten des ganzen Gerätes. Aber Handykameras habe ich sowieso noch nie genutzt, das stört mich also weniger.
Tja, was soll man also sagen. Das Apple iPhone 3G bietet viel Licht aber auch viel Schatten. Es gibt sicherlich bessere Handys, es gibt auch deutlich bessere MP3 Player, aber es gibt kein besseres Gerät dieser Größe, mit dem Datendienste so viel Spaß machen wie mit dem iPhone. Der interne Emailclient ist für mich mit Abstand die beste Anwendung, dicht gefolgt vom YouTube Client und dem Safari Browser.
Auch das Bedienkonzept ist für die meisten Anwendungen sehr praktisch und intuitiv, Ausnahme ist hier, wie bereits geschrieben, die Anwendung iPod. Auch das Display habe ich bereits mehrfach gelobt, das alleine ist wirklich schon das Geld des Gerätes wert.
Genau diese Tatsache führt gleich wieder zum nächsten Luxusproblem: Bisher flogen alle meine Handys immer ungeschützt irgendwo in meinen Taschen rum, auch gerne mal auf den Boden. Meine Handys hatten Kratzer und Gebrauchsspuren. Beim Apple iPhone 3G habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich dieses Gerät schützen müsste. Was neben der Tatsache, dass das Gerät ziemlich empfindlich wirkt, auch daran liegen könnte, dass ich zum ersten Mal richtig viel Geld für ein solches Alltagsgerät auf den Tisch gelegt habe. Die nächste Anschaffung ist dann folgerichtig eine dieser hässlichen Handytaschen. Der Weg zum Spießer ist also nicht mehr weit.
Einen weiteren Test, der aber nur “erste Eindrücke heißt, des Apple iPhone 3G, samt einigen Vergleichen zum Vorgängermodell findet man bei Spreeblick.