Rosarote EM 2008 TV Berichterstattung

Warum während und nach der Fußball-Europameisterschaft 2008 in den öffentlich-rechtlichen TV Sendern häufig die Rede davon war, dass sich die deutsche Nationalmannschaft nach der WM 2006 ach so positiv weiterentwickelt hätte (woraus dann fröhlich geschlussfolgert wird, dass 2010 der WM Titel fällig sei), frage ich mich schon seit den ersten Spielen unserer Mannschaft.
Ich frage mich auch, aus welchem Grund allen Beteiligten bei ARD, ZDF und DFB nach diesen zum Teil ziemlich desolaten Vorstellungen der deutschen Nationalmannschaft die Sonne so lustig aus dem Arsch scheint, und warum es, abseits vom üblichen Eierschaukeln, keinerlei kritische Nachfragen zu der größtenteils unbefriedigten Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft gibt.
Kritische Fragen gäbe es nämlich mehr als genug. Stefan vom Blog-G hätte da zum Beispiel schon mal welche.

Sind wir doch mal ehrlich, außer eines guten Spiels gegen Portugal, das hauptsächlich deshalb gut war, weil Portugal es eben nicht war, gab es von der deutschen Nationalmannschaft vom Spielerischen her nicht viel Positives zu berichten.
Zu sehen war vielmehr eine erschreckend unorganisierte Abwehr, ein plan- und einfallsloses Mittelfeld und ein nicht vorhandener Sturm. Wir sahen mit Michael Ballack einen Kapitän beim Versteckspiel, wir sahen einen Thorsten Frings von dessen Anwesenheit auf dem Platz man sich meist nur über die Mannschaftsaufstellung überzeugen konnte, wir sahen wie angeblich einer der besten Stürmer der Welt traurig und alleine vor des Gegners Tor trabte als würde er nicht mitspielen dürfen, und wir sahen von dem unfehlbaren Per Mertesacker, dass in Wahrheit kein Mensch unfehlbar ist.

Fast alle Spieler standen permanent viel zu weit vom Gegner entfernt und spielten wirklich haarsträubende Fehlpässe in Serie, wie man sie übertrieben gesagt sonst eher einer E-Jugend zurechnen würde. Modernes, schnelles Kurzpassspiel und Bewegung ohne Ball waren weitestgehend Fehlanzeige. Auch die oft so hoch gelobte Fitness der Mannschaft war nicht so ausgeprägt, dass sie einem sofort aufgefallen wäre. Und dann gab es da noch das Thema „Standardsituationen“, das so schrecklich war, dass ich da aus gesundheitlichen Gründen gar nicht näher drauf eingehen möchte.

Lediglich die Herren Schweinsteiger (Außer bei Standardsituationen) und Podolski konnten gelegentlich einigermaßen an ihre WM 2006 Form anknüpfen. Von einer positiven Weiterentwicklung kann allerdings auch hier nicht die Rede sein. Eine solche Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig, da wir selbst bei der WM 2006 keine überragend spielstarke deutsche Nationalmannschaft gesehen haben.
20 Prozent der deutschen Spielstärke basierte auf dem Heimvorteil und der Euphorie im eigenen Land. Wenn wir diese 20 Prozent Heimvorteil bei der EM 2008 nun abziehen, aber gefühlte 40 Prozent schlechter aufgetreten sind als vor zwei Jahren, dann ist von einer positiven Weiterentwicklung nichts mehr zu spüren. Das Gegenteil ist der Fall, anstatt weiter hat man sich eher zurückentwickelt. Belege dafür lieferten die Partien gegen Kroatien, Österreich, die Türkei und gegen Spanien.

In dieser gezeigten Verfassung wird man normalerweise kein Vize Europameister und erst recht kein Europameister. In dieser Verfassung denkt man normalerweise noch nicht mal daran.

Schaltete man jedoch die EM Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen ein, so wurde man Zeuge, wie hier durch die rosarote Kamera berichtet wurde. Dort war grundsätzlich die Rede von Zusammenhalt, Teamgeist und einer harmonischen Mannschaft. Von einer positiven Weiterentwicklung, von Selbstvertrauen, von mit jedem Spiel wachsender Spielsicherheit. Dies alles war leider nichts weiter als irreführende Propaganda, von der jeder Beteiligte profitierte.
Gut nur, dass im Zweifel immer noch die alte Fußballerweisheit „die Wahrheit liegt auf dem Platz“ gilt. Auch wenn teilweise nichts unversucht gelassen wurde genau diese Wahrheit zu beschönigen. Man wollte sich partout einer Zeitreise in das WM Jahr 2006 bedienen. Funktioniert hat das nicht.

Ich frage mich, ob die Schönwetterberichterstattung ohne kritische Nachfragen von ARD und ZDF Teil einer neuen, von unserer Bundeskanzlerin initiierten presseinternen Kampagne nach „Wir sind Deutschland“ Manier ist. Das könnte man fast annehmen, nachdem die Frau Bundeskanzlerin sich permanent und übertrieben im künstlich geschaffenen Licht der deutschen Nationalmannschaft sonnte.
Man installierte dort zunächst Friede, Freude, Eierkuchen und betrat dann die bereits in wohlwollendem Licht getauchte Fußballbühne.

Ohne gehässig sein zu wollen hätte ich gerne erlebt was seitens der Fernsehberichterstattung geschehen wäre, wenn die deutsche Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde gescheitert wäre. Vielleicht hat man schon in zwei Jahren die Gelegenheit genau das zu beobachten. Ich wünsche es mir nicht.

Veröffentlicht von kidffm am 02. Juli 2008. Abgelegt unter: Medien und gekennzeichnet mit folgenden Tags: , , . Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback auf Deiner Seite setzen.

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