Einschaltquoten
Wer bestimmt denn eigentlich diese berühmten und viel zitierten Einschaltquoten von Fernsehsendungen?
Die Einschaltquoten, die bereits nach der Ausstrahlung einer einzigen Sendung darüber entscheiden können, ob diese Sendung weiter gezeigt und produziert wird, oder nicht. Die Einschaltquoten, die darüber entscheiden, wie viel eine Werbesekunde während einer bestimmten Sendung oder Uhrzeit wert ist. Die Einschaltquoten über die man sich immer wieder wundert, weil sie offensichtlich seit Jahren völlig verblödete Trash Talkshows bestätigen, während sie etwas anspruchsvollere Sendungen bereits nach der ersten Folge zur Absetzung verhelfen, so wie dies z.B. bei Christian Ulmen mit „Mein neuer Freund“ der Fall war.
Also wer bestimmt sie denn nun, diese Einschaltquoten? Die Zuschauer? Und wenn ja dann welche Zuschauer? Mich hat man noch nicht danach gefragt. Trotzdem müssen diese Zahlen ja irgendwo herkommen. Woher?
Ja klar, man hat mal gehört, dass in bestimmten Haushalten solche schwarzen Kästen auf oder neben den TV Geräten stehen würden, über die dann ganz genau gemessen wird, wer wie lange und zu welcher Zeit welchen Sender geschaut hat. Diese Zahlen sollen dann auf die gesamte TV-schauende Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland hochgerechnet werden. So sagt man.
Das Problem ist nur, dass scheinbar niemand eine solche Box zu Hause hat und darüber hinaus auch niemanden kennt, der eine solche Box zu Hause hat. Zumindest ist dies aus meiner Sicht so. Trotzdem muss es diese Mustermenschen doch irgendwo geben. Und sie gibt es tatsächlich, allerdings in erstaunlich geringer Anzahl.
Insgesamt steht in genau 5.640 Haushalten eine solche Blackbox, die somit das Fernsehverhalten von ca. 13.000 Bewohnern registriert.
13.000 Personen reichen also angeblich aus, um damit repräsentativ das Einschaltverhalten von 73 Millionen Zuschauern in unterschiedlichen Zuschauergruppen zu erfassen (Also welche Teile der Bevölkerung welche Sendungen auf welchem Kanal sehen). Wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, dann wundert man sich doch, dass diese Einschaltquoten in der Medienlandschaft eine solche Macht ausüben. Besonders wenn man dann noch in Betracht zieht, was Regiseur Hans Weingartner zu diesem Thema sagt:
“…Es stehen keine Boxen bei Ausländern. Jene 20% der Deutschen, die keine GEZ bezahlen, werden nicht erfasst. Zweitgeräte werden nur zu einem Bruchteil erfasst, also auch kaum Jugendliche. Es gibt viele Schwachstellen. Warum die Werbewirtschaft das einfach so hinnimmt, ist mir ein völliges Rätsel ….“.
Wo wir schon bei Regiseur Hans Weingartner sind:
Was wäre denn eigentlich, wenn man eine Liste aller Haushalte mit solchen Boxen hätte? Was wäre wenn man diese schwarzen Kästen manipulieren könnte? Könnte man dann die viel gefürchteten Quoten selber machen? Könnte man dann quasi jede beliebige Sendung quasi durch Knopfdruck absetzen? Könnte man somit die deutsche Fernsehlandschaft von Trah-TV und Schund befreien? Könnte man auf diesem Wege sogar ein klein wenig die Gesellschaft verändern?
Der Film mit dem selten dämlichen Titel „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ von Hans Weingartner, geht unter anderem genau diesen spannenden Fragen nach. Es geht um einen skrupellosen und arroganten TV Produzenten namens Rainer, der die deutsche Medienlandschaft mit dämlichstem Unterschichtenfernsehen beglückt. Kein Showkonzept ist Rainer zu flach. Die Einschaltquoten scheinen ihn und seinen Sender zu bestätigen, den deutschen Fernsehzuschauern kann es gar nicht blöd genug sein.
Durch eine glückliche Fügung des Schicksals wird Rainer jedoch bekehrt und kämpft fortan an der Seite der hübschen, robin-hoodartigen Pegah gegen die Volksverdummung durch Trash-TV. Dies tun sie, indem sie versuchen die Einschaltquoten zu manipulieren, um auf diese Art und Weise das gehasste Unterschichtenprogramm absetzen zu lassen. Dass sie damit exakt an der richtigen Stelle ansetzen, wird bald klar und erste Erfolge zeichnen sich schnell ab.
Das Thema des Films ist auf jeden Fall ziemlich spannend, denn es haben sich bestimmt schon viele Menschen gefragt, wie das denn mit der Einschaltquote überhaupt so funktioniert und wie sicher das ganze eigentlich ist.
Der Film an sich wird diesem spannenden Thema allerdings leider nicht vollständig gerecht. Das liegt zum einen an der unnötigen Überlänge von 138 Minuten und zum anderen an dem ( außer in der Szene aus dem unteren Video) meist etwas gelangweilt wirkenden Moritz Bleibtreu. Man hat auch den Eindruck, dass der Film sich nicht so richtig zwischen Komödie, Satire, Märchen und Drama entscheiden kann, was der Story aus meiner Sicht nicht besonders gut tut. „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ hätte ruhig mehrere Nummern radikaler ausfallen, und das Thema punktgenauer umgesetzt werden dürfen.
Für alle Medieninteressierten und für Fans des deutschen Films lohnt sich das Märchen der Medienrevolution aber trotzdem. Das Thema ist wirklich reizvoll, auch wenn man, wie gesagt, aus einem Film zu diesem Thema hätte sehr viel mehr herausholen können. Schlecht ist „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ trotzdem nicht.
Auf der Website des Films finden sich im Übrigen noch interessante Infos zur Fernsehquote und deren Erhebung:
VIER - Eine Einführung von Hans Weingartner
Interview mit Hans Weingartner
Free Rainer (hier noch nicht gelangweilt)
