Biete Albumproduktion gegen Spenden

Bei SpOn berichtet man Heute über die mir bisher völlig unbekannte Musikerin Jill Sobule, die ihre Fans auf einer Website um Geld bat, um von diesem Geld ihr neues Album produzieren zu können. Nach nur 53 Tagen soll Jill Sobule angeblich die für die Produktion (Studio, Musiker, Produzent, Promotion, etc.) notwendigen 75.000 Dollar zusammen gehabt haben und aktuell steht der Spendenbetrag sogar bei 82.557 Dollar.

Ich finde es gut wenn so etwas bei Jill Sobule funktioniert hat, und ich würde selber auch spontan Geld spenden, wenn es um Musiker gehen würde, die ich schon länger kenne, die ich schätze, denen ich vertraue und deren Musik mir stark am Herzen liegt.

Deshalb frage ich in diesem Fall auch erst gar nicht weiter nach was passiert wäre, wenn der Zielbetrag nicht erreicht worden wäre. Hätte sie das Geld dann jedem einzelnen Spender zurückgezahlt und auf die Produktion verzichtet oder wäre Jill auch mit zum Beispiel nur einem Drittel der Spendeneinnahmen an diese Albumproduktion herangegangen?
Was würde passieren, wenn Großspender mit dem Endergebnis nicht zufrieden wären? Denn durch den nicht gerade niedrig angesetzten Betrag entstehen eventuell Erwartungshaltungen die erfüllt werden wollen. Immerhin sehen sich solche Großspender gelegentlich als eine Art Gesellschafter oder Anteilseigner. Ich als Fan, potentieller Spender und somit Mitfinanzierer hätte mir eventuell auch kurz die Frage gestellt, ob es denn wirklich nötig gewesen wäre, einen auf den ersten Blick verhältnismäßig hohen Festbetrag auszurufen um davon nicht nur die Produktion des Albums zu finanzieren, sondern eben auch Publicity, Promotion oder eventuell sogar eine Tour.
Aber ich wollte ja gar nicht nachfragen, denn offensichtlich hat ja alles bisher gut funktioniert und alle Beteiligten sehen der Sache mit Wohlwollen entgegen und haben ein gutes Gefühl. Und das ist wichtig und gut.

Klar ist aber auch, dass es sich hier erneut um einen Vorgang handelt, der nicht beliebig oft wiederholt werden kann. Hier gleich wieder ein neues „Geschäftsmodell” zu sehen ist natürlich falsch. Überhaupt, ich habe das Wort Geschäftmodell in letzter Zeit zu häufig gehört und auch selber benutzt. Geschäftsmodelle tanzen nicht und klingen nicht nach Rock´n Roll.

Selbst wenn diese Art der Finanzierung ausschließlich bei Jill Sobule und niemand anderem klappen würde, weil sie eben in der Lage war ausreichend spendenwillige Fans zu mobilisieren, wäre dies eine schöne kleine Erfolgsgeschichte die das zeigt, was ich hier irgendwo schon mal erwähnt habe. Nämlich dass es kein allgemeingültiges Geschäftmodell oder Rezept mehr geben wird, sondern dass man im Zweifel für jede einzelne Band ein eigenes Vorgehen entwickeln oder finden muss, was dann hoffentlich nicht mehr mit dem hässlichen Wort Geschäftsmodell bezeichnet wird.

Wenn innerhalb dieser Geschichte nichts schief geht und alles so eintrifft wie es Jill Sobule auf ihrer Website schreibt, nämlich dass sie von diesem Geld ein „Kicks Ass“ Album hinlegt, dann dürfte das einzig negative sein, dass sich in Zukunft eine Menge anderer Bands oder Musiker ärgern werden, dass diese Art der Finanzierung nicht auch bei ihnen funktioniert.

Es bleibt nur viel Erfolg zu wünschen.

Veröffentlicht von kidffm am 15. Mai 2008. Abgelegt unter: Musik und gekennzeichnet mit folgenden Tags: , . Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback auf Deiner Seite setzen.

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